Myome: Welche Arten gibt es und wann stören sie Kinderwunsch und Einnistung?
Myome gehören zu den häufigsten gutartigen Gewebewucherungen bei Frauen. Ein Myom ist meist ein Zellklumpen aus unterschiedlich differenzierten Zellen und sehr viel Bindegewebe.
Viele Frauen haben gleich mehrere davon, ohne es überhaupt zu wissen. Andere leiden unter starken Blutungen, Schmerzen oder Druck auf Blase und Darm und fragen sich in der Kinderwunschzeit:
Kann dieses Myom verhindern, dass ich schwanger werde?
Die entscheidende Antwort lautet: Nicht jedes Myom stört die Einnistung.
Viel wichtiger als die bloße Information „Myom“ sind seine genaue Lage, Größe und Anzahl. Auch die Form ist wichtig, also die Frage, ob das Myom die Gebärmutterwand beziehungsweise die Gebärmutterhöhle verformt oder direkt an die Gebärmutterschleimhaut heranreicht.
Mein kurzes Video zu diesem Thema wurde auf TikTok inzwischen mehr als 130.000 mal angesehen. Offenbar beschäftigt diese Frage sehr viele Frauen.
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Was ist ein Myom?
Meine eigene Definition lautet ungefähr so: Ein Myom ist ein Zellklumpen – ein Haufen von Zellen, bei deren Differenzierung etwas falsch gelaufen ist.
Der medizinische Name lautet Leiomyom. Dabei bedeutet „Leio“ glatt, „myo“ steht für Muskel und „om“ bezeichnet eine Geschwulst oder Gewebeneubildung.
Myome entstehen also im Myometrium, der kräftigen Muskelschicht der Gebärmutter. Diese Schicht besteht aus glatten Muskelzellen und kann sich während der Schwangerschaft stark ausdehnen. Bei der Geburt erzeugt sie schließlich die Kontraktionen, die das Kind durch den Geburtskanal bewegen. Auch deshalb ist es ungünstig, wenn sich Myome ausgerechnet hier ansiedeln.
In der Regel wächst ein Myom langsam. Dabei besitzt es häufig eine relativ klare Grenze zum umliegenden Muskelgewebe. Außerdem kann es nur wenige Millimeter, aber auch mehrere Zentimeter groß werden.
Manche Frauen besitzen nur ein einziges Myom. Bei anderen ist die Gebärmutter dagegen von zahlreichen Knoten durchsetzt.
Allerdings gelingt es anscheinend nicht einmal erfahrenen Ärzten immer, Myome sofort genau zu erkennen. Deshalb berichten Patientinnen immer wieder, dass ihre Myome erst später bei unerfülltem Kinderwunsch und im Rahmen einer genaueren Untersuchung entdeckt wurden.

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Wie häufig sind Myome?
Myome kommen häufig vor. Da viele von ihnen unbemerkt bleiben, kennen wir ihre tatsächliche Häufigkeit jedoch nur ungefähr.
Besonders häufig werden Myome zwischen dem 35. und 50. Lebensjahr diagnostiziert. Warum nicht bereits bei jüngeren Frauen? Hat es mit den über Jahre oszillierenden Sexualhormonen zu tun, mit Lebensstil oder genetischer Veranlagung? We don’t know.
Nach der Menopause werden viele Myome kleiner, weil die Östrogen- und Progesteronspiegel sinken. Allerdings gilt das nicht für jede Frau und jedes Myom gleichermaßen.
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Welche Symptome verursachen Myome?
Ob ein Myom Beschwerden verursacht, hängt vor allem von seiner Größe und Lage ab. Ein relativ kleines Myom direkt unter der Gebärmutterschleimhaut kann sich sehr bemerkbar machen und starke Blutungen verursachen. Dagegen kann ein deutlich größeres Myom an der Außenseite der Gebärmutter – also quasi von außen aufsitzend – lange unbemerkt bleiben.
Typische Beschwerden sind:
- starke oder verlängerte Perioden,
- Blutklumpen während der Menstruation,
- Eisenmangel und Anämie,
- Druck oder Schmerzen im Unterbauch,
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr,
- Rückenschmerzen,
- wiederholte Probleme bei Einnistung oder Schwangerschaft.
Wie gesagt, haben jedoch viele Frauen keinerlei Beschwerden. Deshalb muss ein symptomloses Myom nicht automatisch behandelt oder entfernt werden – obwohl manche Ärzte sehr darauf bestehen. Das wäre allerdings eine andere Diskussion.
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Welche Arten von Myomen gibt es?
Wenn Sie einen Ultraschallbefund erhalten, finden Sie darin häufig Begriffe wie submukös, intramural oder subserös. Diese Begriffe beschreiben, wo das Myom innerhalb der Gebärmutter sitzt.
1. Submuköse Myome: direkt unter der Gebärmutterschleimhaut
Submuköse Myome wachsen in Richtung Gebärmutterhöhle. Sie liegen direkt unter dem Endometrium oder ragen bereits in die Gebärmutterhöhle hinein – manchmal ähnlich wie kleine Tränen.
Diese Myome sind bei Kinderwunsch besonders wichtig. Denn selbst ein relativ kleines submuköses Myom kann die Gebärmutterhöhle verformen, die Schleimhaut lokal verändern, die Einnistung erschweren und das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen.
Dabei ist nicht allein die Größe entscheidend. Ein zwei Zentimeter großes Myom am falschen Ort kann für die Einnistung relevanter sein als ein sechs Zentimeter großes Myom an der Außenseite der Gebärmutter.
2. Intramurale Myome: in der Muskelwand
Intramurale Myome liegen innerhalb der muskulären Gebärmutterwand. Das ist die häufigste Form – also jene Zellknoten, von denen Sie am Anfang gelesen haben.
Kleinere intramurale Myome verursachen häufig keine Probleme. Größere Myome können dagegen die Form der Gebärmutter verändern, die Beweglichkeit des Myometriums behindern und möglicherweise zu ungünstigen Kontraktionen während der Schwangerschaft führen.
3. Subseröse Myome: an der Außenseite der Gebärmutter
Subseröse Myome wachsen nach außen in Richtung Bauchhöhle. Manche sitzen breit auf der Gebärmutter, andere hängen an einem schmalen Stiel.
Da sie die Gebärmutterhöhle normalerweise nicht stören, sind sie für die Einnistung meist weniger problematisch als submuköse Myome.
Trotzdem können sie Beschwerden verursachen. Größere subseröse Myome drücken beispielsweise auf die Blase, den Darm oder andere Organe im Becken.
4. Zervikale und andere Myome
Manche Myome entstehen am Gebärmutterhals oder an ungewöhnlichen Stellen. Diese werden in der FIGO-Klassifikation als Typ 8 zusammengefasst.
Klassifikation: Was bedeutet FIGO 0 bis 8 bei Myomen?
Folgendes kann euch helfen, manche Befunde besser zu verstehen. Die internationale FIGO-Klassifikation beschreibt genau, wie ein Myom im Verhältnis zur Gebärmutterhöhle und zur äußeren Oberfläche der Gebärmutter liegt.
| FIGO-Typ | Lage des Myoms |
|---|---|
| Typ 0 | vollständig in der Gebärmutterhöhle, meist gestielt |
| Typ 1 | submukös, weniger als 50 Prozent liegen in der Muskelwand |
| Typ 2 | submukös, mindestens 50 Prozent liegen in der Muskelwand |
| Typ 3 | vollständig intramural, berührt aber die Gebärmutterschleimhaut |
| Typ 4 | vollständig innerhalb der Muskelwand |
| Typ 5 | subserös, mindestens 50 Prozent liegen in der Muskelwand |
| Typ 6 | subserös, weniger als 50 Prozent liegen in der Muskelwand |
| Typ 7 | außen an der Gebärmutter, gestielt |
| Typ 8 | andere Lage, beispielsweise am Gebärmutterhals |
Manche Myome reichen durch die gesamte Gebärmutterwand. Dann werden zwei Zahlen angegeben, zum Beispiel FIGO 2–5.
Die erste Zahl beschreibt die Beziehung zur Gebärmutterhöhle, die zweite die Beziehung zur äußeren Oberfläche. Für Frauen mit Kinderwunsch sind besonders die Typen 0, 1 und 2 relevant. Auch Typ 3 verdient Aufmerksamkeit, weil das Myom direkt an das Endometrium grenzt, obwohl es die Gebärmutterhöhle nicht sichtbar verformt.
Woraus besteht ein Myom?
Für mich als Zellbiologin ist das der spannendste Teil.
Ein Myom besteht nämlich nicht nur aus einer einzigen Zellart.
Darin findet man unter anderem glatte Muskelzellen, Fibroblasten, Gefäßzellen, Immunzellen, verschiedene Stamm- und Vorläuferzellen sowie große Mengen extrazellulärer Matrix – also wirklich einen wilden und spannenden Mix aus Zellen.
Aber was bringt diese Zellen zusammen?
Was hält sie zusammen?
We don’t know.
Glatte Muskelzellen
Die wichtigsten bzw. zahlrechsten Zelltypen im Myom sind glatte Muskelzellen und Fibroblasten. In einem Myom vermehren sich bestimmte Zellarten stärker als im normalen Myometrium. Sie reagieren unter anderem auf Sexualhormone, Wachstumsfaktoren und mechanische Signale.
Fibroblasten
Fibroblasten sind die Architekten des Bindegewebes. Sie produzieren unter anderem Kollagen, Fibronectin und Proteoglykane.
Bei Myomen sind diese Zellen besonders aktiv. Dadurch entsteht sehr viel extrazelluläre Matrix. Genau deshalb sind Myome häufig fest, weißlich und gummiartig.
Extrazelluläre Matrix: mehr als bloßes Füllmaterial
Die extrazelluläre Matrix ist das Gerüst zwischen den Myomzellen. Sie gibt dem Gewebe Stabilität und speichert gleichzeitig Wachstumsfaktoren sowie andere Signalstoffe.
Im Myom wird diese Matrix übermäßig produziert, aber häufig nur unzureichend abgebaut. Dadurch wird das Gewebe zunehmend steif – und jedenfalls ganz anders als das umliegende Gewebe.
Warum entstehen Myome?
Das weiß niemand ganz genau. Wahrscheinlich beginnt ein Myom mit einer einzelnen veränderten Stamm- oder Vorläuferzelle im Myometrium.
Diese Zelle erhält einen Wachstumsvorteil und bildet einen Zellklon. Unter dem Einfluss von Östrogen, Progesteron und verschiedenen Wachstumsfaktoren wächst daraus langsam ein Myom.
Ein Gynäkologe, den ich sehr schätze, erzählte mir einmal, dass ältere afrikanische Frauen besonders häufig Myome haben. Hat das mit ihrem Lebensstil zu tun oder mit ihrer Genetik? Jedenfalls ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt, warum eine Frau zahlreiche Myome entwickelt und eine andere überhaupt keine.
Können Myome die Einnistung verhindern?
Ja – aber nicht jedes Myom tut das.
Am stärksten ist die Evidenz logischerweise für Myome, die die Gebärmutterhöhle verformen. Dazu gehören vor allem submuköse Myome und intramurale Myome mit einem submukösen Anteil.
Auf folgende Weise können Myome die Einnistung stören oder sogar vollständig verhindern:
1. Mechanische Verformung der Gebärmutter
Ein Myom kann den Raum verkleinern, in dem sich der Embryo einnisten soll.
2. Veränderungen der Schleimhaut
Myome können die Genexpression und Rezeptivität des Endometriums verändern – also gewissermaßen die „Babyfreundlichkeit“ der Gebärmutter verringern.
3. Gestörte Durchblutung
Ein Myom kann die Gefäßversorgung umorganisieren. Dadurch kann auch die lokale Versorgung der Gebärmutterschleimhaut beeinträchtigt werden.
4. Veränderte Kontraktionen
Wie ein Klotz im Weg kann ein Myom die Kontraktionsfähigkeit der Gebärmutter stören. Das ist ungünstig während der Schwangerschaft, aber möglicherweise auch bereits früher – beispielsweise beim Transport von Spermien und Embryo an die richtige Position.
5. Chronische Entzündungs- und Wachstumssignale
Myome können Entzündungs- und Wachstumssignale aussenden und dadurch auch mit dem umliegenden Gewebe kommunizieren.
Welche Myome stören den Kinderwunsch am stärksten?
Als grobe Orientierung gilt:
Submuköse Myome:
Diese Form ist am ehesten mit geringeren Schwangerschaftschancen und einem erhöhten Fehlgeburtsrisiko verbunden.
Intramurale Myome mit Verformung der Gebärmutterhöhle:
Auch sie können der Einnistung im Weg stehen. Eine Entfernung kann manchmal die Chance auf eine Schwangerschaft verbessern.
Intramurale Myome ohne Verformung der Gebärmutterhöhle:
Hier ist die Lage unklar. Manchmal bringt eine Operation mehr Nachteile als Vorteile.
Subseröse Myome:
Sie beeinflussen die Fruchtbarkeit meistens kaum, solange sie die Anatomie nicht stark verändern oder den Zugang zu den Eierstöcken behindern.
Auch die amerikanische ASRM-Leitlinie kommt zu dem Ergebnis, dass eine Entfernung erwogen werden kann, wenn ein Myom die Gebärmutterhöhle verformt. Dagegen wird eine Operation bei symptomlosen Myomen, welche die Gebärmutterhöhle nicht verformen, nicht grundsätzlich empfohlen.
Müssen Myome vor einer IVF entfernt werden?
Nein, nicht automatisch.
Jede Operation hinterlässt schließlich Spuren. Nach der Entfernung eines Myoms können Narben und Verwachsungen entstehen. Je nach Tiefe des Eingriffs muss außerdem eine längere Heilungszeit eingeplant werden.
Bei Frauen mit niedriger ovarieller Reserve kann es deshalb sinnvoll sein, zunächst Eizellen oder Embryonen zu sichern und die Myomoperation erst danach zu planen.
Vor einer Entscheidung brauchen Sie eine möglichst präzise Diagnostik. Hilfreich können ein transvaginaler oder dreidimensionaler Ultraschall, eine Gebärmutterspiegelung und bei komplexen oder zahlreichen Myomen ein MRT sein.
Die wichtigste Frage lautet nicht:
Habe ich ein Myom?
Sondern:
Verändert dieses konkrete Myom den Raum, die Schleimhaut oder die Funktion, die ich für eine Schwangerschaft brauche?
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Literatur
- Munro MG et al. FIGO classification system for causes of abnormal uterine bleeding in nongravid women of reproductive age. Int J Gynaecol Obstet. 2011.
- Practice Committee of the American Society for Reproductive Medicine. Removal of myomas in asymptomatic patients to improve fertility and/or reduce miscarriage rate: a guideline. Fertil Steril. 2017;108:416–425. Leitlinie ansehen
- Goad J et al. Single-cell sequencing reveals novel cellular heterogeneity in uterine leiomyomas. 2022. Studie ansehen
- Buyukcelebi K et al. Integrating leiomyoma genetics, epigenomics and single-cell transcriptomics. Nature Communications. 2024. Studie ansehen
- Don EE et al. Infertility in patients with uterine fibroids: a debate about the hypothetical mechanisms. Human Reproduction. 2023;38:2045–2054. Publikation ansehen
- Lakabi R et al. Diagnosis and classification of uterine fibroids. Int J Gynaecol Obstet. 2025. Publikation ansehen


