PCO verstehen: wie eine Patientin ihre Eizellqualität verbessern konnte
PCO verstehen ist für viele Frauen der erste Schritt, wenn sie die Diagnose Polyzystisches Ovarialsyndrom erhalten..
Das Polyzystische Ovarialsyndrom gehört heute zu den häufigsten Hormonstörungen. Schätzungsweise jede siebte bis zehnte Frau im gebärfähigen Alter ist betroffen. Mein Gefühl ist, dass es in den letzten zehn Jahren mehr geworden sind.
Dabei sind es immer häufiger auch ganz schlanke, gesundheitsbewusste Frauen, die in alte diagnostische Kriterien nicht passen. Anhand der Hormondaten sieht man jedoch, dass ihre Eizellen Schwierigkeiten in der Follikelreifung haben.
Viele sind verunsichert. Was bedeutet PCO genau? Ist es eine schlimme Diagnose? Und was heißt das konkret für die Chancen, schwanger zu werden?
In diesem Beitrag erkläre ich Ihnen, was sich wirklich hinter den polyzystischen Ovarien verbirgt – hormonell, metabolisch, aber auch emotional. Vielleicht fangen wir am besten mit einem echten Beispiel an.

Eine PCO Patientin, die inspiriert
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Vor Kurzem habe ich folgende E-Mail von einer Patientin bekommen. Sie hatte sich bereit erklärt, ihre Geschichte zu teilen, weil sie anderen Frauen Mut machen möchte.
„Unsere Situation damals war, dass wir durch mein PCO und einen sehr hohen AMH-Wert (10,5) bei der ersten ICSI zwar 33 Eizellen hatten, aber keine einzige Blastozyste entstanden ist.
Nach deiner Beratung haben wir die empfohlenen Supplements konsequent genommen und ich habe zusätzlich vier NAD+-Infusionen gemacht.
In unserer zweiten ICSI hatten wir 21 Eizellen, und diesmal haben sich fünf Blastozysten entwickelt. Eine expandiert bereits. Natürlich wissen wir noch nicht, ob ich schwanger werde, aber dieser Meilenstein ist unglaublich. Und als schöner Nebeneffekt fühle ich mich körperlich so gut wie lange nicht mehr.“
Solche Nachrichten erinnern mich immer wieder daran, dass PCO kein endgültiges Urteil über die Fruchtbarkeit ist. Oft lassen sich erstaunliche Veränderungen erreichen, wenn man die biologischen Zusammenhänge versteht und gezielt an den richtigen Stellschrauben dreht.
Was sagen Sie dazu?
Wenn Sie noch mehr über PCO direkt aus der Praxis erfahren möchten, können Sie sich auch mein Video mit dem Kinderwunscharzt Dr. Hannen zu diesem Thema ansehen. Anfang April ist ein weiteres, viel längeres Video zum Thema PCO geplant. Schauen Sie auf dem Kanal vorbei und unterstützen Sie meine Arbeit mit einem Abo oder einem Like.
Zyste am Eierstock und in der Gebärmutter? | Kann man mit PCO schwanger werden? | Dr.Hannen erklärt
PCO verstehen: Was polyzystische Ovarien eigentlich bedeuten
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Polyzystisches Ovarialsyndrom wird als PCO abgekürzt. Heute spricht man auch von PCO-ID-Phänotypen, also untypischen, PCO-ähnlichen Hormonprofilen.
Dabei handelt es sich nicht einfach um eine hormonelle Störung – auch wenn es häufig so dargestellt wird. Vielmehr ist PCO ein komplexer metabolischer Zustand, im Endeffekt eine Anpassung an den enormen Kalorienüberfluss, der den gesamten Zyklus und den Hormonhaushalt der Frau beeinflusst.
Klassisch – und aus früheren Zeiten bekannt – wurde die PCO-Diagnose anhand der sogenannten Rotterdam-Kriterien gestellt. Dafür müssen mindestens zwei von drei Symptomen vorliegen:
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zu viele männliche Hormone (Hyperandrogenismus)
-
seltener oder ausbleibender Zyklus und Eisprung
-
viele kleine Follikel an den Eierstöcken im Ultraschall
Doch diese Kriterien bilden nur einen Teil der heutigen Realität ab. In meiner Beratung sehe ich oft Frauen, die kaum in dieses Schema passen, deren PCO man aber deutlich an vielen Laborparametern erkennen kann. Für mich nenne ich das eine „PCO-Signatur“.
Manche haben regelmäßige Zyklen, andere keine sichtbaren Zysten. Und doch zeigen ihre Hormonwerte und ihre Follikelentwicklung ein ganz typisches Muster.
Kinderwunsch Beratung und Coaching mit Biologin Dr. Darja Wagner
Warum immer mehr schlanke Frauen eine Art PCOS haben
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Ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt, ist Lean-PCO. Denn viele Menschen glauben noch immer, PCO würde vor allem übergewichtige Frauen betreffen. Dabei achten gerade Frauen über 35 mit unerfülltem Kinderwunsch sehr auf ihre Ernährung und sind manchmal sogar zu dünn.
Mein Bauchgefühl: Westliche Ernährung und der Überfluss an Kalorien und Kohlenhydraten haben zu einer Art PCO-Epidemie geführt. Dadurch ist der Hormonhaushalt vieler Frauen aus dem Gleichgewicht geraten.
Evolutionsbiologisch gesehen macht das Sinn. In der wissenschaftlichen Literatur ist beschrieben, dass Mädchen in der westlichen Welt immer früher ihre erste Periode bekommen.
Eckert-Lind C, Busch AS, Petersen JH, Biro FM, Butler G, Bräuner EV, Juul A. Worldwide secular trends in age at pubertal onset assessed by breast development among girls: a systematic review and meta-analysis. JAMA Pediatrics. 2020;174(4):e195881.
Die Eierstöcke werden früh aktiv, der Körper möchte sich vermehren und die Gene weitergeben. Probleme entstehen oft erst mit steigendem Alter, zb. wenn das erste Kind erst nach 35 geplant ist, sowie durch begleitende hormonelle Ungleichgewichte, die oft zu einer problematischen Eizellqualität führen.
Lean-PCO wurde erstmals von den New Yorker Reproduktionsmedizinern Dr. Norbert Gleicher und Dr. David Barad beschrieben.
Gleicher N, Barad DH. Lean PCOS: an underrecognized phenotype of polycystic ovary syndrome. Fertil Steril. 2013;99(3):e25.
Sind heute 30% aller PCOs „skinny“?
Heute wird gesagt, „skinny PCOS“ betrifft heute etwa 30 % aller PCO-Patientinnen. Diese Frauen haben meist:
• einen BMI unter 25
• einen hohen AMH-Wert, untypisch für ihr Alter
• viele kleine Follikel im Ultraschall, die ihre Reifung und Selektion nicht vollenden können
Deshalb klappt es mit dem Schwangerwerden oft nicht. Der Hauptgrund liegt darin, dass die Follikel zwar zahlreich vorhanden sind, aber nicht richtig weiterreifen (Differentiation nennt sich dieser Prozess).
Die Eizellen beginnen zu wachsen, bleiben aber unterwegs in einem biologischen Zwischenzustand stecken. Oder sie „lehnen ab zu sterben“ – dabei ist Apoptose ein natürlicher Prozess, sodass die Energie nicht effizient in einen Leitfollikel gesteckt werden kann.
Ich beschreibe das gern so: Die Follikel leben ein wenig chaotisch. Sie wachsen und setzen sich durch, aber viele sterben nicht wie vorgesehen ab, lehnen sich unterzuordnen, was die hormonelle Kommunikation im Eierstock erschwert.
Natürliche Mittel, die bei PCO helfen
Warum PCO manchmal schwer zu erkennen ist
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PCO hat viele Gesichter und zeigt sich bei jeder Frau etwas anders. Manche Patientinnen haben
• unregelmäßige Zyklen, ausfallende Eisprünge
• Akne oder Hautprobleme
• Haarausfall
• Schwierigkeiten beim Schwangerwerden, starke PMS-Symptome
Viele PCO-Patientinnen beklagen einen Östrogenüberschuss. Rein theoretisch stimmt das, denn viele kleine unreife Follikel sorgen für relativ viel Östrogen im Hormonbild.
Und trotzdem ist das eigentliche Problem, dass die schwache Eizellreifung zu einer schwachen Progesteronproduktion in der zweiten Zyklushälfte führt. Es ist also eher das gestörte Verhältnis von Progesteron zu Östrogen, das diese hormonelle Störung ausmacht.
Interessanterweise haben manche Frauen gar keine Symptome und erfahren erst in der Kinderwunschklinik von ihrer Hormonstörung und den vielen unreifen Eizellen.
Um PCO wirklich zu verstehen, muss man sich kurz in die Follikelreifung vertiefen. Normalerweise durchläuft jeder Zyklus mehrere Phasen, in denen sich ein Follikel durchsetzt und schließlich eine reife Eizelle freisetzt.
Bei PCO bleibt dieser Prozess häufig stecken. Die Follikel verharren in einem unreifen Stadium und erreichen die präovulatorische Phase – also die Zeit kurz vor dem Eisprung – gar nicht.
Die Folge:
• unregelmäßige Eisprünge
• schwankende Progesteronwerte
• eingeschränkte Eizellqualität
Wie sind die Chancen, schwanger zu werden mit PCO?
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Erst einmal etwas, was alle gern lesen: PCO bedeutet ganz sicher nicht, dass man keine Kinder bekommen kann.
Im Gegenteil. Viele Frauen mit PCO haben sogar eine sehr hohe Eizellreserve.
Dr. Hannen, den Sie im Video sehen können, sagt oft, dass im Vergleich zu einer erschöpften Eizellreserve PCO fast ein „Luxusproblem“ ist. Damit bin ich als Biologin sehr einverstanden.
Der Weg zur Schwangerschaft kann mit PCO manchmal steinig sein, weil mehrere Faktoren zusammenspielen. Bis man Hormone ausbalanciert und Eisprung, männliche Faktoren und Zyklus in die richtige Konstellation bringt, vergeht oft Zeit.
In der Kinderwunschmedizin gibt es dafür verschiedene Strategien. Doch auch außerhalb der Klinik lassen sich viele Dinge verbessern, sodass es auf natürlichem Weg klappen kann.
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Mitochondrien spielen bei PCO eine überraschend große Rolle
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Ein Bereich, der in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus rückt, ist die Energieversorgung der Eizellen, beziehungsweise die Gesundheit der Mitochondrien.
Eizellen, wenn sie reif sind, gehören zu den energieintensivsten Zellen im Körper. Ihre Qualität hängt stark von gesunden, unbeschädigten Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, ab.
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Genau hier kommt ein Mikronährstoff ins Spiel, der in der Kinderwunschforschung wegen seiner Wichtigkeit bereits als „zweite Folsäure“ bezeichnet wird: Coenzym Q10.
Studien zeigen, dass Q10 bei Frauen mit PCO die mitochondriale Funktion verbessert – und genau das ist eines der Wichtigsten, was Sie für Ihre reifenden Eizellen tun können. Mehrere Studien haben inzwischen gezeigt, dass eine Q10-Supplementierung metabolische Parameter und hormonelle Marker bei PCOS-Patientinnen deutlich verbessern kann.
Samimi M, Foroozanfard F, Aghadavod E, et al. The effects of coenzyme Q10 supplementation on glucose metabolism, lipid profiles, and biomarkers of inflammation and oxidative stress in women with polycystic ovary syndrome. Journal of Ovarian Research. 2021;14:63.
Deshalb empfehle ich meinen Patientinnen in der Kinderwunschzeit oft, ein hochwertiges Q10-Präparat einzunehmen – mindestens drei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft.
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Woher kommt PCO, wenn meine Mutter es nicht hatte?
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Die Forschung ist erst dabei, die Ursachen polyzystischer Ovarien vollständig zu verstehen. Aber die Natur macht nichts ohne Grund, und der Körper hat meist seine Logik.
Damit möchte ich sagen: Ein Teil dieser Hormonstörung ist wahrscheinlich selbst verursacht, durch Lebensstil und Umwelt. Neben genetischen Einflüssen und hormoneller Prägung im Mutterleib spielt auch unsere moderne Umwelt eine Rolle.
Besonders spannend ist der Einfluss sogenannter endokriner Disruptoren – hormonähnlicher Umweltstoffe wie BPA und andere Chemikalien aus unserem Alltag. Sie können möglicherweise schon während der fetalen Entwicklung die Programmierung der Eizellvorläufer beeinflussen.
Und es gibt, wie erwähnt, eine evolutionsbiologische Perspektive auf PCO. In der Steinzeit hätten Frauen mit vielen Follikeln vermutlich einen Fruchtbarkeitsvorteil gehabt: mehr Kinder, gesichertes Nachkommen, besseres Überleben dank einiger zusätzlicher Energiereserven.
In unserer heutigen Umwelt mit ständigem Überangebot an Kalorien, später Mutterschaft und Dauerstress geraten diese alten biologischen Programme jedoch manchmal aus dem Gleichgewicht.
Was können Sie tun, wenn Sie PCO haben?
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PCO ist in den meisten Fällen nicht heilbar, aber sehr gut steuerbar, wie Sie aus dem Brief der Patientin gesehen haben.
Manche Frauen berichten sogar, dass sie sich nach einigen Wochen mit optimiertem Lebensstil besser fühlen als zuvor.
Die wichtigsten Ansatzpunkte sind:
• den eigenen Zyklus verstehen und beobachten, eventuell Zyklusmonitoring durchführen und mit frischen Daten eine Beratung anfragen
• eine entzündungshemmende Ernährung, angepasst an das eigene Hormonprofil
• gezielte Mikronährstoffe, die zum Hormonprofil passen, statt ihm in die Quere zu kommen
• Stressreduktion, ein stabiler Lebensstil und weitere Faktoren, die wir in einem persönlichen Gespräch gern gemeinsam klären können.

