Warum Co-Elternschaft ein guter Weg zum Kind ist

co-elternschaft erfahrungen

Foto mit freundlicher Genehmigung von Mon Petit Chou Photography bie Flickr.com

Als unsere Kinder noch Babys waren, drehte sich unser Alltag fast nur um die organisatorischen Fragen:

Wer kocht heute?  Wer darf ausschlafen, wer bleibt die Nacht über bei den Kindern?  Wer ist mit Einkaufen dran?

In dieser Phase habe ich meinem Mann oft vorgeworfen: wir sind nur noch zu Mitbewohnern geworden.

Jetzt sind die Kinder größer; wir wollen beide arbeiten, schaffen, am Erwachsenenleben teilnehmen. Die Kinder werden hin und her gereicht – heute hole ich sie ab und danach treffen wir Freunde; Papa übernimmt sie nach dem Abendessen, damit ich weiter arbeiten kann. Jetzt sage ich meinem Mann oft: Wir sind kaum noch ein Paar. Sind wir schon zu Co-Eltern geworden?

Die Familienmodelle sind nicht mehr einfach. Nur noch wenige Familien haben die Großeltern, Freunde und Geschwister, die bei der Erziehung der Kinder mithelfen.

Dadurch ergibt sich für die Eltern einfach zu viel Arbeit. Sie werden überfordert, was nach wenigen Jahren oft zur Trennung führt. In unserer ältesten Kitagruppe ist etwa ein Drittel der Eltern getrenntlebend. Es ist sicherlich kein schöner Trend, aber ich befürchte, daran wird sich auch in Zukunft nichts so bald etwas ändern.

Mütter und Väter werden in ihrer Art der Elternschaft auch in den klassischen Familien immer mehr zu kumpelhaften Co-Eltern, die sich jede Menge Arbeit teilen und sonst kaum noch Zeit als Liebespaar verbringen.

Gleichzeitig wünschen sich viele alleinstehende Frauen und Männer, sowie homosexuelle Paare, genetische Eltern zu werden, ohne eine romantische (oder überhaupt eine) Beziehung zu dem Partner einzugehen. Sie werden also auch zu Co-Eltern, nur dass ihr Weg, bis sie zu dem Kind kommen, ganz anders verläuft.

Was ist Co-Elternschaft?

Der Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet, dass Mann und Frau gemeinsam ein Kind zeugen und erziehen, ohne zwei Liebende zu sein.

Sie teilen sich dabei alle Aspekte der Kindererziehung: logistische, finanzielle und legale – alles wird gemeinsam entschieden und das Wohl des Kindes steht immer im Vordergrund.

Schwanger werden die Frauen logischerweise durch eine Art der Kinderwunschbehandlung – meistens eine Insemination, die entweder in der Arztpraxis oder sogar in eigener Regie Zuhause durchgeführt wird.
In unserer Kita in Berlin-Kreuzberg sehen wir täglich die kleine Lena, die zwei Mütter (eine Mama und eine Mommy, wie es die Erzieherinnen den anderen Kindern in der Gruppe erklärt haben) und zwei Väter hat, genauso wie ihre Halbschwester. Darüber habe ich mal hier geschrieben (Lena hat zwei Mamas).

Warum Co-Elternschaft?

Frauen zwischen 30 und 40 haben es wirklich nicht leicht.

Gerade mit der Ausbildung fertig und Arbeit gefunden und schon muss alles passieren.

Und zwar zügig: einen Mann fürs Leben finden, eine oder mehrere Schwangerschaften austragen, ein Nest bauen.

Das ist viel.

Darum ist es wirklich kein Wunder, wenn es oft nicht klappt.

Frauenzeitschriften (und nicht nur sie) versuchen uns zu überzeugen, dass junge Frauen ihren Kinderwunsch aus eigenem Willen gern aufschieben,weil sie Karriere machen wollen, und selbst daran schuld sind, wenn es mit dem Kinderkriegen irgendwann nicht mehr klappt.

Blödsinn.

Nachdem ich mich mit diesem Thema seit Jahren intensiv beschäftige und mit unzähligen Frauen mit Kinderwunsch gesprochen habe, kann ich ruhig sagen: Das stimmt nicht.

Fast alle Frauen zwischen 30 und 40 schieben ihren Kinderwunsch auf, nicht weil sie Karriere machen wollen, sondern weil der richtige Partner fehlt.

Foto mit freundlicher Genehmigung von mmsea bei Flickr.com

In Wirklichkeit ist es so: viele Frauen, die mit Mitte 30 ihren Kinderwunsch verwirklichen wollen, haben schon einen passenden Partner dazu an ihrer Seite, der sich das gleiche wünscht wie sie. Und das ist gut. So entsteht eine klassische Familie,wie wir sie alle kennen bzw. davon träumen, selbst zu einer solchen dazu zugehören.

Aber wenn es mit der Partnersuche nicht klappt? Oder, wenn eine Beziehung in die Brüche geht? Oder sogar eine Ehe, wie es bei mir der Fall war?

Was tut eine Frau, wenn sie keine Kraft mehr hat, eine neue Beziehung einzugehen, trotzdem aber Mutter werden möchte?

Realistisch betrachtet, sehe ich drei Möglichkeiten.

1. Die Frau geht eine Affäre ein (und erzählt dem Mann von ihrer Schwangerschaft oder auch nicht).
Mich persönlich haben One-Night-Stands schon immer fasziniert bzw. Frauen, die wissen was sie wollen, und sich das ganz ohne Angst und Reue einfach holen. Respekt.

Aber nicht alle Frauen können das.

Die kürzeste Liebesbeziehung meines Lebens dauerte ein Jahr lang. Damals war ich 17. Später, als ich schon geschieden war, habe ich zweimal bewusst versucht, ein One-Night- Stand zu haben. Bei beiden Versuchen bin ich schon in der Anfangsphase komplett gescheitert und die Männer haben nicht mal verstanden, was ich noch sagen wollte.

Vermutlich bin ich nicht die einzige Frau, die für One-Night-Stands nicht begabt ist. Also es bleiben noch zwei Alternativen offen.

2. Die Frau entscheidet sich für einen Samenspender, kauft sich sozusagen gutes genetisches Material.

Letztes Jahr bei der Kinderwunsch-Messe in Berlin habe ich mich mit zwei Mitarbeiterinnen der Berliner Samenbanken unterhalten und dabei gelernt, dass sich dieser Weg in Deutschland für Frauen nicht so einfach gestaltet.

In einigen EU-Ländern suchen Frauen im Katalog den Samenspender aus, bekommen die Fotos zu sehen und erfahren viel über seinen Charakter.

In Deutschland ist all das dank unseres Embryonenschutzgesetzes viel komplizierter und viele Frauen, die sich für diesen Weg entscheiden, fahren irgendwann doch lieber nach Dänemark oder sonst irgendwohin ins Ausland, um dort ihren Kinderwunsch zu verwirklichen.

Noch ein wichtiger Punkt: ob eine Affäre oder eine Samenspende- beide Möglichkeiten führen dazu, dass die Frauen alleinerziehend sein werden.

Das ist nicht einfach – ich persönlich kenne nur ganz wenige Fälle, wo alleinerziehende Mütter ein unbeschwertes Leben führen.

Meine Schwester ist alleinerziehend und hat eine Tochter. Mit ihrem Ex-Partner hat sie eine wunderbare Arbeitsteilung; außerdem stehen ihr zwei Großelternpaare zur Verfügung – rund um die Uhr, an allen Tagen der Woche. Währendich das schreibe, bereitet sich meine Schwester wahrscheinlich auf den nächsten Halbmarathon vor oder macht in aller Ruhe ihre online-Arbeit in Teilzeit.

Auch eine meiner Nachbarinnen ist alleinerziehend. Mit ihrer gut laufenden Arztpraxis kann sie ihren Kindern auch in Teilzeit einen wunderbaren Lebensstandard bieten. Urlaub im Ausland bis zu viermal im Jahr und noch wichtiger, sie muss sich nicht ständig mit dem Kindesvater ums Geld streiten.

Wie würde es bei Ihnen aussehen, wenn Sie sich für diesen Weg entscheiden würden? Hätten Sie eine familiäre und finanzielle Unterstützung? Wer könnte sie entlasten? Sie kennen bestimmt das afrikanische Sprichwort, dass es ein Dorf braucht, um ein Kind großzuziehen. Ich finde es genau richtig.

Und dann bleibt noch die Co-Elternschaft.

3. Co-Elternschaft. In Amerika ist diese Möglichkeit schon weit verbreitet, bei uns noch nicht. Das wird sich aber ändern, weil Männer auch in der Zukunft erschrocken reagieren werden, wenn Frauen mit Mitte 30 ihren Kinderwunsch äußern. Andererseits werden die Frauen einiges dazulernen und in dieser Sache mehr selbst die Initiative ergreifen wollen.

Dadurch werden Familienmodelle entstehen, bei denen sich Frauen und willige Männer zusammentun werden, um genetische Kinder zu bekommen und ihren Wunsch, Eltern zu werden, verwirklichen. Auf der Seite co-eltern.de finden Sie einige interessante Hinweise für diesen Weg der Familiengründung.

Aber seien Sie bitte vorsichtig; gerade auf diesem Gebiet kursieren viele unseriöse Angebote. Grundsätzlich gilt: geben Sie unter keinen Umständen sensible Daten preis und schauen Sie erstmal, ob die Internetseite, bei der Sie interessante Angebote finden, ein Impressum hat, bzw ob die Seite in Deutschland registriert ist.

Als ich zu diesem Thema recherchiert habe fand ich auch einen wunderbar informativen und ehrlichen Blog einer jungen Frau aus Berlin, die auf diese Art Mutter geworden ist und sich den Alltag mit ihrem Baby mit dem Co-Vater teilt, PlanningMathilda.com.

Für welchen Weg auch immer Sie sich entscheiden, eines kann ich Ihnen sagen (und ich wünsche, ich hätte es früher gewusst).

Um Ihre Mutterschaft genießen zu können, werden Sie vor allem eines brauchen: finanzielle Unabhängigkeit. Bemühen Sie sich deshalb umgehend um eine Arbeit, die Ihnen maximale zeitliche Flexibilität ermöglicht und von der Sie in der Teilzeit mit ihrem Kind gut leben können. Ob alleinerziehend, mit Partner, mit Co-Vater, in Trennung oder wie auch immer – schauen Sie, dass Sie notfalls immer für sich und Ihr Kind sorgen können.

2018-06-28T13:45:10+00:00 Januar 29th, 2018|Tags: , |

Leave A Comment

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.